
Swisslog installiert Regalbediengeräte bei Lebkuchen-Schmidt
09.06.2026 um 12:26 Uhr(PresseBox) Die Bewertung von Angeboten in Vergabeprozessen ist ein kritischer Schritt, der oft über den Erfolg eines Projekts entscheidet. Laut der agiplan ag, einem Unternehmen der T&O Group, entstehen viele Probleme nicht während der Umsetzung, sondern bereits in der Phase der Angebotsbewertung. Dabei liegt das Hauptaugenmerk häufig auf der formalen Gleichwertigkeit der Angebote, was zu erheblichen Risiken führen kann.
Risiken bei der Angebotsbewertung
In vielen Ausschreibungen werden Angebote anhand klassischer Kriterien wie Preis, Lieferzeit und technische Kennzahlen bewertet. Diese formalen Vergleiche können jedoch trügerisch sein. Oft sind kritische Abweichungen nicht sofort erkennbar, da sie in Annahmen, Berechnungsmethoden oder technischen Interpretationen verborgen sind, die in den Angeboten nicht transparent dargestellt werden. Dies wird besonders deutlich bei komplexen Logistik- und Automatisierungsprojekten, wo ein bloßer Angebotsvergleich nicht ausreicht, um die tatsächliche technische Eignung eines Anbieters zu beurteilen.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht dieses Problem: Ein Anbieter kann die geforderten Leistungswerte für ein automatisiertes Lagersystem erreichen, doch die verwendeten Testpunkte spiegeln nicht die realen Betriebsbedingungen wider. Die Berechnungen basieren auf vereinfachten Szenarien, die nicht die tatsächlichen Herausforderungen im Betrieb berücksichtigen. Dies führt dazu, dass die zugesagte Durchsatzleistung nicht erreicht wird, was zu Konflikten zwischen Auftraggeber und Anbieter führt.
Vertragliche Absicherungen sind nicht ausreichend
Um sich gegen solche Risiken abzusichern, versuchen viele Unternehmen, vertragliche Regelungen zu treffen. Oft wird im Werkvertrag festgelegt, dass die Ausschreibung Vorrang vor dem Angebot hat. Diese Vorgehensweise ist zwar juristisch nachvollziehbar, löst jedoch nicht alle technischen Probleme. Ein Anbieter kann formal korrekt auf eine Ausschreibung reagieren und dennoch eine Lösung anbieten, die den tatsächlichen Anforderungen nicht gerecht wird. Wenn solche Schwachstellen vor der Vergabe nicht erkannt werden, können sie während des Projekts zu erheblichen Mehrkosten führen.
Die kritische Phase liegt somit nicht in der Umsetzung, sondern zwischen der Angebotsabgabe und der Vertragsunterzeichnung. Eine fundierte Offertprüfung ist daher unerlässlich.
Die Notwendigkeit einer fundierten Offertprüfung
Eine professionelle Offertprüfung sollte über die bloße Überprüfung von Positionen und Preisen hinausgehen. Sie muss die technische Belastbarkeit des Angebots hinterfragen. Wichtige Aspekte sind die Annahmen, die den Berechnungen zugrunde liegen, die Realitätsnähe der verwendeten Szenarien sowie Abweichungen vom geforderten Standard. Zudem ist es entscheidend, welche Leistungswerte tatsächlich nachweisbar sind und welche Risiken im späteren Betrieb entstehen können.
Besonders bei automatisierten Materialfluss- und Logistiksystemen ist tiefes Praxiswissen erforderlich, um die Belastbarkeit von Spielzeitberechnungen zu beurteilen und kritische Lastfälle zu identifizieren. Dies gilt auch für Software- und Schnittstellenanforderungen, die auf den ersten Blick vollständig erscheinen können, jedoch zentrale Prozess- oder Integrationsanforderungen unberücksichtigt lassen.
„Die Ausschreibung definiert den Rahmen. Aber erst die fachlich fundierte Prüfung der Offerte zeigt, ob der Anbieter die Anforderungen wirklich verstanden hat“, erklärt Remo Eggimann, Geschäftsführer der agiplan.ch.
Die Investition in eine gründliche technische Offertprüfung ist im Vergleich zu den Folgekosten fehlerhafter Vergaben gering. Viele der teuersten Fehler entstehen nicht während der Realisierung, sondern bereits bei den Vergabeentscheidungen, die auf unzureichenden Bewertungsgrundlagen basieren. Eine sorgfältige Ausschreibung bleibt wichtig, ersetzt jedoch nicht die notwendige Fachkompetenz zur technischen Bewertung der Angebote.






