
SBB Cargo bleibt trotz Transformation auch 2025 das Sorgenkind
11.03.2026 um 16:02 UhrGüterverkehrslösungen zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund richtet sich die Organisation CST strategisch neu aus. Nachdem das ursprünglich geplante Tunnel-Grossprojekt aufgrund der politischen Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr nicht weiterverfolgt werden konnte, steht nun ein Neustart mit angepassten Prioritäten im Zentrum.
Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich CST mit den Anforderungen der Güterlogistik und entwickelt Konzepte, die zusätzliche Transportkapazitäten erschliessen sollen. Dabei steht weniger der Bau neuer Infrastrukturen im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie bestehende Systeme effizienter genutzt und miteinander verknüpft werden können.
Infrastrukturprojekte politisch anspruchsvoll
Der Bau grosser Verkehrsinfrastrukturen ist in der Schweiz politisch anspruchsvoller geworden. Projekte dieser Grössenordnung benötigen stabile regulatorische Rahmenbedingungen, eine breite gesellschaftliche und politische Unterstützung sowie einen klar nachgewiesenen verkehrlichen Nutzen. Beim geplanten Tunnelprojekt zeigte sich jedoch, dass diese Voraussetzungen derzeit noch nicht vollständig gegeben sind.
In den kommenden Jahren wird sich die Verkehrspolitik daher stärker auf Priorisierung, Finanzierbarkeit und eine bessere Nutzung bestehender Infrastruktur konzentrieren. Angesichts begrenzter finanzieller Mittel und steigenden Handlungsdrucks rücken Ausbauprojekte zunehmend in den Hintergrund.
Die strategische Neuausrichtung von CST knüpft genau an dieser Entwicklung an. Im Fokus steht die Entwicklung skalierbarer Transporttechnologien, die vorhandene, bislang ungenutzte Kapazitäten im Verkehrssystem erschliessen können.
Fragmentierte Systeme im Güterverkehr
Der heutige Güterverkehr ist durch eine starke Fragmentierung geprägt. Unterschiedliche Akteure optimieren ihre Transportprozesse meist unabhängig voneinander, während die zugrunde liegende Infrastruktur knapp, komplex und nur begrenzt koordiniert ist. Gemeinsame, systemübergreifende Lösungen sind bislang selten.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, welche übergeordnete Strategie eine nachhaltige Weiterentwicklung des Gütertransports ermöglichen kann, ohne ausschliesslich von kurzfristigen Interessen einzelner Marktakteure bestimmt zu werden.
Mögliche Ansätze liegen insbesondere in der Bündelung von Transportnachfragen, der stärkeren Integration von Transportketten sowie in einer wirtschaftlichen Nutzung bestehender Systempotenziale. Vor allem im Schienengüterverkehr bestehen in diesem Zusammenhang weiterhin unausgeschöpfte Möglichkeiten.
Whitepaper zur Zukunft des multimodalen Güterverkehrs
Die grundlegenden Überlegungen und Analysen wurden in einem Whitepaper zusammengefasst, das die aktuelle Situation sowie mögliche Entwicklungsperspektiven des multimodalen Güterverkehrs in der Schweiz untersucht. Die Studie beleuchtet zentrale Strukturen und Einflussfaktoren, die den Transformationsprozess des Verkehrssystems prägen.
Eine zentrale Schlussfolgerung lautet, dass isolierte Optimierungen einzelner Marktteilnehmer nicht ausreichen. Stattdessen braucht es eine stärkere systemische Koordination und Integration innerhalb des gesamten Güterverkehrsnetzes.
Das Whitepaper mit dem Titel „Von der Optimierung zur Transformation – Entwicklungsansätze für das multimodale Güterverkehrsnetz der Schweiz“ soll nun innerhalb der Fachwelt diskutiert werden. Das Editorial zur Publikation stammt von Ludwig Häberle, Vizedirektor am Institut für Produktions- und Supply Chain Management der Universität St. Gallen.





